Google Adsense Behavioral Targeting eine neue Evolutionsstufe?

Vor zwei Tagen hat Google im Deutschen Adsense Blog einen Beitrag über Behavioral Targeting oder auch interessenbasierte Anzeigenschaltung veröffentlicht. Das kann man bereits in vielen Blogs nachlesen, ich möchte jedoch hier auf die Hintergründe eingehen.

Ich werde zunächst die einzelnen Evolutionsstufen

Content Targeting

Was Google Adsense ist, muss ich denke ich, an dieser Stelle nicht erklären. Wer es nicht wissen sollte, schaut einfach mal bei der Wikipedia nach. Google hat einen Crawler, der die Seiten durchsucht, auf der Adsense Werbung eingebunden wurde. Anhand der Inhalte, die der Crawler darauf findet sortiert er die Seite in bestimmte Themen und Keyword Umfelder ein.

Auf der anderen Seite steht dann der Adwords Inserent, der seine Werbung im Content Netzwerk von Google anhand von Keywords schaltet. Das Google System entscheidet dann auf Grund der Crawlergebnisse, welche Anzeigen wo geschaltet werden. Das war und ist derzeit die verbreitete Nutzung von Google Adsense.

Placement Targeting

Später wurde dann im Adsense System das Placement Targeting eingeführt. Dabei kann man dem im Adsense System, die eigene Seite in Bereiche aufzuteilen. Genutzt wird das vor allem von größeren Webseiten, die verschiedene Themen behandeln.

Als Adwords Inserent hat man damit die Möglichkeit zu entscheiden, das die eignen Anzeigen auf einer Webseite zum Beispiel im Bereich Sport angezeigt werden. Placement Targeting ist vor allen bei größeren Seiten mit einigen hunderttausend PI und mehr im Monat eine gute Möglichkeit um die Einnahmen mit Adsense auszubauen. Steigerungen um mehrere 100% sind durchaus möglich. Abhängig ist die Steigerung aber natürlich stark vom Content den man hat.

Demographic Targeting

Damit testet Google schon sehr lang herum, ohne wirklich zu Potte zu kommen. Es geht dabei darum Zielgruppen zu definieren und diese Informationen den Werbetreibenden zur Verfügung zu stellen. Gerade auf Seiten, auf denen sich die User anmelden und ein Profil anlegen kann das gut funktionieren. Der Seitenbetreiber kann diese Informationen bündeln und an den Werbetreibenden in Form von Channels weitergeben. Damit ist es Möglich eine Kampagne zum Beispiel an alle Frauen von 18-25 auszuliefern oder an alle User, die sich für Sport interessieren. Die Umsetzung ist recht einfach, trotzdem nutzen es kaum Adsense Publisher. Verwunderlich, denn auch mit dieser Form des Targeting ist es möglich, seine Einnahmen zu steigern.

Behavioral Targeting

Seit dem 11.03.2009 hat Adsens nun die nächste Evolutionsstufe erklommen, die interessenbasierte Werbung. Anhand der besuchten Seiten von Werbetreibenden und der Interessen des Users werden ihm passende Anzeigen gezeigt. Hat man also schon einmal auf eine Adsense Anzeige geklickt, wird das ganze gespeichert und man soll dann ähnliche Werbung angezeigt bekommen.

Vorteile:

Der User bekommt noch relevantere Werbung angezeigt, sind unter Umständen weniger genervt und akzeptieren Werbung besser. Die Umsätze der Werbenden sollten mit relevanterer Werbung auch steigen.

Es gibt einen Manager, mit dem man kontrollieren kann, welche Daten über einen selbst gesammelt wurden.

Nachteile:

Kennen die User den neuen Manager nicht, sehen Sie auch nicht, welche Daten darin gespeichert sind. Es könnten Interessen gespeichert werden, die man eigentlich gar nicht hat, da man aus Versehen geklickt hat, oder auf Seiten war, auf denen man nicht gefunden hat, was man suchte. Ist das System einmal in der Öffentlichkeit bekannt, ergeben sich sehr schnell neue Probleme.  Diese werden vor allem da auftreten, wo mehrere Personen den gleichen Rechner benutzen. So kann der eine Nutzer anhand der Werbung erkennen, welche Inhalte der andere Nutzer so anschaut. Natürlich geht das auch auf anderem Wege, aber so ist es viel einfacher.

Auch die Webseitenbetreiber stehen vor einem großen Problem. Datenschutz wird in Deutschland groß geschrieben und es gibt eine Menge Regeln und Gesetze und eine große graue Zone. Es werden nun über die Nutzer definitiv mehr und vor allem auch persönlichere Daten gesammelt als bisher. Wer keine wasserdichte Datenschutzerklärung auf seiner Webseite hat und Adsense einsetzt wird so schnell zum Ziel der Abmahner in Deutschland, die sich sicherlich schon die Hände reiben werden.

Google nimmt das ganze eher leicht und schiebt alles aus die Webseitenbetreiber:

Aufgrund dieser Einführung ist es erforderlich, dass Sie die Datenschutzbestimmungen Ihrer Website überprüfen und gegebenenfalls ändern. Des Weiteren enthält die Seite “Kontoeinstellungen” einige neue Optionen.

Und weiter heißt es:

Als Folge dieser Ankündigung ist unter Umständen eine Aktualisierung Ihrer Datenschutzbestimmungen erforderlich, um auf die Verwendung interessenbezogener Werbung hinzuweisen. Stellen Sie anhand der Informationen in der AdSense-Hilfe (https://www.google.com/adsense/support/bin/answer.py?answer=100557&hl=de) sicher, dass die Datenschutzbestimmungen Ihrer Website bis zum 8. April 2009 dem aktuellen Stand entsprechen. Da Publisher-Websites und gesetzliche Vorschriften von Land zu Land unterschiedlich sind, können wir leider keine bestimmte Formulierung für die Datenschutzbestimmungen vorschlagen.

Wenn Google auf diesem Standpunkt bleibt, dann verlieren sie glaube ich eine ganze Menge kleiner Adsense Publisher. Denn wer 5-10 Euro am Tag damit verdient wird es sich nicht leisten wollen, einige hundert Euro für einen Fachanwalt zu zahlen, der die Datenschutzerklärung wasserdicht macht.

Zum 8. April 2009 soll das neue System starten, bis dahin sollte Google auf jeden Fall zum Thema Datenschutzerklärung nachbessern. Wir werden das ganze weiter beobachten.

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